Donnerstag, 12. April 2018

Ein verwerfliches Bündnis von Menschen

Ein verwerfliches Bündnis von Menschen

Ihr seht aber leicht ein, Ehrwürdige Brüder, dass Wir von der Gruppe jener Menschen sprechen, die mit verschiedenen und fast barbarischen Namen Sozialisten, Kommunisten oder Nihilisten genannt werden. Sie sind über die ganze Erde verbreitet und, durch ein verwerfliches Bündnis aufs engste miteinander verbunden, suchen sie sich nicht länger mehr durch das Dunkel verborgener Zusammenkünfte zu schützen; sie treten vielmehr voller Selbstvertrauen hervor, um ihren seit langem gehegten Plan, die Fundamente jedweder bürgerlichen Gesellschaft zu untergraben, zur Ausführung zu bringen. Es sind jene, welche, wie das Wort Gottes sagt, „das Fleisch beflecken, die Obrigkeit verachten und lästern die überirdischen Mächte“ (Jud 8).

Aus der Enzyklika „Quod Apostolici Muneris“ von Leo XIII., vom 28.12.1878

(in "Catolicismo", Nr. 53, mai 1955).

Montag, 9. April 2018

Kardinal Sarah: Der Selbstmord Europas und die Verantwortung der Kirche



Dr. Dieter Fasen
Kardinal Sarah ist für mich die aktuelle Stimme der Kirche in der heutigen Zeit. Dort wo Wirrnis herrscht und katholische Gläubige den Durchblick verlieren, spricht Kardinal Sarah Klarheit. Aus diesem Grund erlaube ich mir Ihnen zwei Beiträge vom Tage über Kardinal Sarah zu senden. Er nennt die Gründe des europäischen Zusammenbruches:
    1. Die Loslösung der europäischen Gesellschaften von der Ordnung des Naturrechtes, uns Deutschen bekannt unter dem Gesetz gewordenen Slogan „die Ehe für Alle“.
    2. Die Steuerung und Vergiftung der Gesellschaften durch säkulare Akteure, welche m-E. in die Kirche eingedrungen sind.
    3. Eine Mitschuld der europäischen Kirche an dieser Entwicklung, die darin besteht, dass sie nicht mehr in Treue zur Lehre und Tradition steht.
Kardinal Sarah spricht für eine Kirche, welche die  wahre moralische Autorität der Welt ist. Er warnt vor dem Tod Europas.
Kardinal Sarah: Der Selbstmord Europas und die Verantwortung der Kirche
Der aus Guinea stammende Kardinal Robert Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart und als ein möglicher Kandidat für das Amt des Papstes. Während eines Aufenthalts in Belgien  warnte er vor einigen Tagen vor dem drohenden kulturellen Selbstmord Europas und warf Teilen der Kirche des Kontinents eine Mitschuld an dieser Entwicklung vor.
Die geistig-kulturelle Lage westlicher Gesellschaften sei insbesondere in Europa Besorgnis erregend. Die Trennung dieser Gesellschaften von ihren religiösen Wurzeln im Zuge der Durchsetzung materialistischer Ideologien führe zunehmend dazu, dass sie ihre Seele verlieren würden, was sie nicht dauerhaft überleben könnten.
    * Europäischen Gesellschaften, die diesem Weg weiter folgten, drohe der Zusammenbruch. Eine von der Ordnung des Naturrechts losgelöste Anhäufung von Reichtum und Technologie würde diese Gesellschaften zu einem „steuerlosen Schiff“ machen, das „früher oder später auf die Riffe der Selbstsucht“ stoßen und sinken werde.
    * Die säkularen Akteure, welche die dahinter stehende globalistische kulturelle und wirtschaftliche Agenda vorantrieben, würden über enorme finanzielle Mitteln sowie den Rückhalt der Medien verfügen und mit ihren „tödlichen Ideologien“ von westlichen Gesellschaften ausgehend die gesamte Welt „vergiften“.
    * Die Kirche in Europa befände sich in einer „großen Glaubenskrise“ trage eine Mitschuld an dieser Entwicklung. Sie würde häufig nicht mehr treu zur eigenen Lehre und Tradition stehen, stattdessen Anpassung an utopische und materialistische Ideologien betreiben und mit entsprechenden Akteuren kollaborieren, etwa bei Anstrengungen zur Auflösung von Ehe und Familie. Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einem „Verrat“ von Teilen der Kirche an der Menschheit.
Die Kirche müsse in dieser Lage den Schatz ihrer Lehre und Tradition gegen die „Raubtiere einer Welt ohne Gott“ entschlossen verteidigen.
Hintergrund
Die Worte Kardinal Sarahs wurden von katholischen Medien als Antwort auf die jüngsten Vorstöße deutscher Christen in Lebens- und Familienfragen gedeutet.
Kardinal Sarah ist für seine besonders deutliche Ansprache der existenziellen Herausforderungen bekannt, denen das Christentum in Europa gegenübersteht. Bereits im November 2016 hatte er davor gewarnt, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe. Gegenüber französischen Medien sagte er:
„Die größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.“

Kardinal Robert Sarah: Positionen zur Lage
des Christentums in Europa
Inhalt
    * 1. Die Herausforderung des Christentums durch utopische revolutionäre Ideologien und den politischen Islam
    * 2. Kardinal Sarah über islambezogene Herausforderungen für das Christentum und Europa
    * 3. Warnung vor dem drohenden Tod Europas
    * 4. Die Mitverantwortung der Kirche an der Krise Europas
Stand: 01.03.2018
Diese Seite dokumentiert Positionen Kardinal Robert Sarahs zur Lage des Christentums in Europa und zu den Herausforderungen, denen es gegenübersteht.
Der aus Guinea stammende Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart und als ein möglicher Kandidat für das Amt des Papstes. Papst Benedikt XVI. hatte Kardinal Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung 2017 als „geistlichen Lehrer“ bezeichnet, was als Zeichen dafür gedeutet wurde, dass auch er Sarah als möglichen Kandidaten für das Amt des Papstes unterstützt.
1. Die Herausforderung des Christentums durch utopische revolutionäre Ideologien und den politischen Islam
„Was im 20. Jahrhundert Nazi-Faschismus und Kommunismus waren, das sind heute westliche Ideologien über Homosexualität und Abtreibung sowie der Islamistische Fanatismus“, sagte Sarah […]. Die Kirche befinde sich zwischen dem Götzendienst westlicher Freiheit und dem islamischen Fundamentalismus, beides seien „apokalyptische Bestien“, ergänzte Sarah. „Wir befinden uns, um einen Slogan zu benutzen, zwischen ‚Gender-Ideologie und IS’“ […]. Die größten Bedrohungen für die Kirche seien auf der einen Seite schnelle und leichte Scheidungen, Abtreibungen und die Homo-Ehe. Auf der anderen Seite stünde „die Pseudofamilie im ideologisierten Islam, die Polygamie, eine Abwertung der Frau, sexuelle Sklaverei, und die Kinderheirat legitimiert“.
In einer Predigt, die er im August 2017 während eines Besuchs in der Vendée in Frankreich hielt, ging er auch auf den dort zwischen 1793 – 1796 aktiven Widerstand gegen den Terror der französischen Revolution ein und zog Parallelen zur Gegenwart. Er rief in diesem Zusammenhang Christen zum Kampf gegen revolutionäre Ideologien und den Islamismus auf:
Wir Christen brauchen den Geist der Bewohner der Vendée! […] Wie sie müssen wir unsere Aussaat, unsere Ernte, die von unseren Pflügen gezogenen Furchen verlassen, um zu kämpfen – nicht für die Verteidigung menschlicher Interessen, sondern für Gott! Wer wird also heute für Gott aufstehen? Wer wird es wagen, sich den modernen Verfolgern der Kirche entgegenzustellen? […] Heute sterben unsere christlichen Brüder im Nahen Osten, in Pakistan, in Afrika für ihren Glauben, vernichtet von den Kolonnen des sie verfolgenden Islamismus. […]
Liebe Freunde, das Blut der Märtyrer fließt in Euren Adern. Seid ihm treu! […] Nur die großzügige Liebe und die uneigennützige Hingabe des eigenen Lebens können den Haß gegen Gott und die Menschen besiegen, der Ursprung jeder Revolution ist. Die Bewohner der Vendée haben uns gelehrt, allen diese Revolutionen zu widerstehen. Sie haben uns gezeigt, daß es auf die Höllenkolonnen, die nationalsozialistischen Vernichtungslager, die kommunistischen Gulag, die islamistischen Barbarei nur eine Antwort gibt: Die völlige Selbsthingabe des eigenen Lebens.
Er zog zudem eine Linie vom Terror der französischen Revolution zu den utopischen Ideologien der Gegenwart:
Heute wieder, vielleicht heute sogar mehr denn je, wollen die Revolutionsideologen den natürlichen Ort der Selbsthingabe, der freudigen Großzügigkeit und der Liebe vernichten – ich meine die Familie! Die Gender-Ideologie, die Verachtung der Fruchtbarkeit und der Treue sind die neuen Leitsprüche der Revolution. Die Familien sind zu vielen Vendées geworden, die ausgerottet werden sollen. Man plant systematisch sie auszulöschen, wie man es einst gegen die Vendée getan hat. […] Überall: Die christlichen Familien müssen freudige Avantgarde eines Aufstandes gegen diese neue Diktatur des Egoismus sein!
Der Kardinal betonte dabei, dass der Widerstand in Europa gegen den „real existierenden Atheismus, der unser Leben erstickt“, ein geistiger Widerstand sein müsse, der „ohne Ressentiments und ohne Animositäten“ zu führen sei.
Auf der Konferenz „Europa Christi“, die im Oktober 2017 in Polen stattfand, sprach er über die geistige Krise Europas und der westlichen Welt sowie über deren Aufstand gegen die Ordnung Gottes. Berichte über die Äußerungen Kardinal Sarahs finden sich hier und hier.
    * Europa habe sich nach der Überwindung des Kommunismus dagegen entschlossen, seine Zukunft auf der Grundlage seines christlichen Erbes zu gestalten. Es habe sich statt dessen für die „Ideologie des liberalen Individualismus“ entschieden, von seinen Wurzeln getrennt und sei in eine Phase der „stillen Apostasie“ und des Nihilismus eingetreten, die von materialistischen und utopischen Ideologien geprägt sei. Die westliche Welt befinde sich in einer geistigen Krise und im Aufstand gegen die Ordnung Gottes.
    * Die kulturelle Auflösung der westlichen Welt habe globale Auswirkungen. Insbesondere das von ihr verbreitete kulturrevolutionäre Menschenbild der Gender-Ideologie würde großen Schaden anrichten, etwa in Form der angestrebten Auflösung des Konzeptes der Ehe von Mann und Frau des traditionellen Familienbilds. Die Verbreitung dieser Ideologien stelle eine „neue Form des Kolonialismus“ dar.
    * Der Umgang mit dem Thema Migration sei Ausdruck der geistigen Krise Europas. Die Verwirklichung des Gemeinwohls erfordere die Unterscheidung von Migranten nach ihrer kulturellen Integrierbarkeit. Liberale Ideologien würden hingegen würden diese Unterscheidung nicht treffen, weil sie globale Vereinheitlichung durch die Auflösung von Grenzen, Nationen und Kulturen anstrebten. Ihr Ziel sei eine Welt, deren einzige Werte Produktion und Konsum seien.
Christen in Europa müssten vor diesem Hintergrund Zeugnis dafür ablegen, dass der Kern einer Nation ihre Kultur sei, und dass der Kern einer Kultur der Glaube sei. Nationen wie Polen hätten aus dem Glauben heraus in der Vergangenheit heroischen Widerstand gegen die Ideologien des Bösen geleistet und seien jetzt dazu berufen, Wächter des christlichen Erbes in Europa zu sein.
2. Kardinal Sarah über islambezogene Herausforderungen für das Christentum und Europa
Sarah hatte im April 2017 vor islambezogenen Herausforderungen für Europa und den Gefahren, die durch den in Europa zu beobachtenden Identitätsverlust entstehen, gewarnt:
Jener extremistische Islam aber, der als politische Organisation auftritt und sich dem Rest der Welt aufzwingen will, stellt nicht nur eine Gefahr für Afrika dar. Er ist ist vor allem eine Gefahr für die Gesellschaften in Europa, die allzu oft keine Identität und keine Religion mehr haben. Wenn eine Gesellschaft aber ihre eigenen Werte verdammt, die aus ihrer Tradition, Kultur und Religion hervorgegangen sind, dann ist sie dem Untergang geweiht. Denn sie hat damit jeglichen Antrieb, jegliche Energie und jeglichen Willen verloren, um für die Verteidigung ihrer Identität zu kämpfen.
Kardinal Sarah hatte zudem europäischen Regierungen zuvor Tatenlosigkeit angesichts der zunehmenden Aggressivität radikal-islamischer Akteure vorgeworfen:
Wie viele Tote braucht es, wie viele abgeschlagene Köpfe bis die europäischen Regierenden die Lage begreifen, in der sich der Westen befindet?
3. Warnung vor dem drohenden Tod Europas
Im November 2016 warnte er, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe. Gegenüber französischen Medien sagte er: [D]ie größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.
4. Die Mitverantwortung der Kirche an der Krise Europas
Während eines Aufenthalts in Belgien warf Kardinal Sarah im Februar 2018 Teilen der Kirche vor, die geistig-kulturelle Krise Europas mitzuverantworten. Die Kirche in Europa befände sich in einer „großen Glaubenskrise“ und würde häufig nicht mehr treu zur eigenen Lehre und Tradition stehen, stattdessen Anpassung an utopische und materialistische Ideologien betreiben und mit entsprechenden Akteuren kollaborieren, etwa bei Anstrengungen zur Auflösung von Ehe und Familie. Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einem „Verrat“ von Teilen der Kirche an der Menschheit.
Abschließend empfehlen wir diesen großen afrikanischen  Kardinal, der zugleich wahrer Europäer ist, Ihrem Gebete an.

Für den Arbeitskreis von Katholiken Dr. Dieter Fasen
Quelle: Bund Katholischer Ärzte – BKÄ - München

Sonntag, 8. April 2018

Die Schönheit der Kirche wirkt auf die Seelen

Wer die Kirche betrachtet, muss von der ihr angeborenen Schönheit und Pracht mächtig beeindruckt werden; und es ist wohl anzunehmen, dass bei Betrachtung der Kirche die Unwissenheit schwindet und diesbezügliche falsche Ansichten und Vorurteile überwunden werden. Ja, es kann sich sogar im Herzen der Menschen eine Liebe zur Kirche entzünden, ähnlich jener Liebe, mit der Jesus Christus sie um den Preis seines göttlichen Blutes erkauft und sich zur Braut auserkoren hat. Denn Christus hat die Kirche geliebt und sich selbst für sie dahingegeben“.


Aus der Enzyklika "Satis Cognitum" von Leo XIII., vom 29. Juni 1896

Freitag, 6. April 2018

Wohin die These der absoluten Souveränität des Staates über alles zeitliche führt

Die modernistische Schule begnügt sich nicht nur damit, Kirche und Staat zu trennen. Der Glaube steht nach seinen phänomenalen Elementen unter der Wissenschaft. In der gleichen Weise muss nach ihr in weltlichen Dingen die Kirche unter dem Staat stehen. Vielleicht wird dies noch nicht offen ausgedrückt, jedoch gibt es an dem Schluss kein Vorbeikommen. Hat in den weltlichen Dingen der Staat alleine zu bestimmen, so müssen - falls der Gläubige mit der inneren Betätigung seiner Religion nicht zufrieden ist und damit auch nach außen hervortreten will, zum Beispiel bei der Spendung und beim Empfang der Sakramente - diese Akte notwendigerweise unter die Staatsgewalt fallen. Wo bleibt in diesem Fall die kirchliche Autorität? Sie vermag sich nur durch äußere Akte zu betätigen und ist damit in ihrer ganzen Ausdehnung dem Staat unterstellt. Unter dem Eindruck dieser Logik wollen daher auch manche liberale Protestanten jeden äußeren Kult und auch jeden äußeren religiösen Verband abgeschafft wissen. Nach ihrer Aussage versuchen sie die individuelle Religion einzuführen. Wenn die Modernisten noch nicht offen so weit gehen, verlangen sie dennoch von der Kirche, dass sie sich freiwillig ihren Bestrebungen annähert und sich den bürgerlichen Formen anpasst.
 
Aus der Enzyklika "Pascendi Dominici gregis" von Pius X. vom 8.9.1907

Eugène Giraud in seinem Atelier



Sébastien Charles Giraud (1819 - 1892)
Chateau de Compièqne, Frankreich / Giraudon / The Bridgeman Art Library

Der Maler Eugène Giraud steht in seinem Atelier vor einem seiner Gemälde, das eine Szene auf dem Land zeigt und auf einer seiner Reisen entstanden ist. Sein jüngerer Bruder Sébastien Charles, dessen Lehrer er war, gibt uns hier einen Einblick in dieses einzigartige Ambiente. In der Mitte sein Sohn Viktor, ein kleines Kind am Schoß seiner Mutter. Er wird bald in die Fußstapfen seines Vaters treten. Eugène Giraud, ein erfolgreicher Künstler, war auch Karikaturist, Graveur, Bühnenausstatter und hat in seiner Zeit große Anerkennung gefunden.
Durch den verglasten Teil des Daches wird der Raum hell erleuchtet. Die linke Wand ist mit Bildern bedeckt, gegenüber sieht man ein Waffenarsenal und eine Menge von Gegenständen, die unsere Fantasie anregen. Der Hund, der die Szene beobachtet, liegt neben einem Löwenfell vor einem Alkoven mit prächtigen Vorhängen. Die Sofas, die Tapeten und die Kronleuchter zeigen uns einen luxuriösen Lebensstil: die Fremdartigkeit, Lust und Laune eines schöpferischen und überschwänglichen Lebens.
Heutzutage ist eine leere Wand modern mit einem Flachbildfernseher, der mit dem Internet verbunden ist.

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, April 2015)

Donnerstag, 5. April 2018

Der Kuss


Der Kuss
Théophile Emmanuel Duverger
(1821-1886 )
Privatsammlung ! Foto: Christie's Images! The Bridgeman Art Library

Eine Szene in einem gutbürgerlichen Ambiente, die zugleich charmant und lehrreich ist. Eine Frau vom Land kommt auf Besuch und bringt ihrer Nachbarin einen Korb mit Obst. Als Dank gibt das kleine Mädchen im weißen Kleid dem schüchternen Knaben einen Kuss auf die Wange. „Umarme ihn!“, sagt ihre Mutter.
Der Klassenunterschied ist hier unmissverständlich. Aber die Natürlichkeit der Gefühle und des Verhaltens lässt eine Aufrichtigkeit erkennen, die man heutzutage längst vergessen hat. Was das gesellschaftliche Leben betrifft, so stützt sich die christliche Gesinnung auf die Anerkennung der Verschiedenheit der sozialen Klassen verbunden durch echte brüderliche Liebe, ohne dass man die bestehenden Unterschiede beseitigen will.
Zu diesem Thema sagte Benedikt XV. im Jahr 1914: „Diese gegenseitige Zuneigung wird bewirken, dass die Höhergestellten sich gewissermaßen den Armen zuwenden, nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit sondern auch mit Wohlwollen, Güte und Geduld. Die Armen ihrerseits werden den Wohlstand der höhergestellten Personen gutheißen und auf ihre Hilfe vertrauen.“

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Oktober 2015)

Sonntag, 1. April 2018

Zu Ostern



Ein neuer Morgen ist der Welt aufgegangen, strahlend und unberührt wie der erste Schöpfungsmorgen. Die Sonne der göttlichen Huld leuchtet wieder über der Erde. Schon am Feste der Menschwerdung sahen wir den "Aufgang aus der Höhe." Christus erschien als die Gnadensonne des Vaters. Aber noch hüllte sie ihren Glanz in die bergende Wolke der demütigen Menschheit. Am Fest der Epiphanie und am Verklärungssonntag sahen wir sie hell aufleuchten. Aber während der großen Leidenswoche schien sie zu versinken im Meer der Leiden, im Abgrund des Todes. Heute erhebt sie sich aus den Wassern der Passion, aus den Wolken höllischer Anfeindung. Strahlend steigt sie zur Höhe empor, endgültig und für immer die Erde segnend und beherrschend.
Es ist Tag geworden auf Erden - „Abend und Morgen, der erste Tag“ (Gen. 1,5). Und wirklich der erste, denn sie kamen am ersten Wochentage in aller Frühe zum Grabe, als die Sonne eben aufgegangen war“, (Benedictus-Antiphon der Osternacht). Der erste Tag und zugleich der achte, nach dem siebten, dem Sabbat. Der achte Tag, der über die irdische Zeit und die sieben Tage der ersten Schöpfung hinausgeht, - der Anbruch einer neuen Zeit, die nicht mehr gezählt und gemessen werden kann, der Anfang der Ewigkeit.
Das ist der geheimnisvolle Tag, den wir erwarten, dem wir entgegenleben in dieser Zeit. Heute hat er begonnen; heute ist er aufgegangen. Wir stehen mitten darin; nur unsere Augen sind zu schwach, als dass wir seinen vollen Glanz schauen könnten. Aber wir fühlen seine Wärme in unserem Blut; wir leben von seinem Licht. Eben ist die Sonne aufgegangen - Christus ist auferstanden. "Christus ist die wahre Sonne und der wahre Tag", sagt der heilige Cyprian und führt als Beweis jene Stelle des 117. Psalms an, die als erster Vers des Graduale während der ganzen Osterwoche nicht von den jubelnden Lippen der Kirche weicht: „Haec dies, quam fecit Dominus: exsultemus et laetemur in ea.“ – „Das ist der Tag, den der Herr uns gemacht hat! Jubeln wollen wir und uns freuen an ihm!“ (Ps. 117,24)
„Christus ist unser Tag. In seinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps. 35,10). „Wunderbar ist deine liebende Schau, dein liebendes Erkennen geworden“ (Ps.  138,6), spricht der Vater zum verklärten Christus. Der auferstandene Herr schaut den Vater, ruht in ihm. Das ist letztes Erkennen, Erfassen Gottes. Ein Erkennen nicht durch Überlegung des Verstandes, durch menschliches Wissen; ein Erkennen über allem menschlichen Erkennen und Wissen: Schau. Christus, der Tag, ist wesenhaft eins mit dem göttlichen Lichte.
Nur der Sohn sieht den Vater, wie er ist. Aber nun sind unsere Augen klar geworden von dem neuen Tag, der in Christus uns aufgeleuchtet ist. Im hellen Lichte dieses Tages schauen wir das Urlicht. Vollkommen wird die Schau erst im Jenseits, wenn auch wir ganz verklärt, ganz Tag geworden sind wie Christus. Aber begonnen hat sie mit der Auferstehung des Herrn. Bevor der Sohn kam, vermochte niemand den Vater zu erkennen. Jetzt ist der Tag selbst, Gottes Licht in den Menschen eingetreten. In seinem Licht sieht er das Licht. Wunderbar ist die Erkenntnis Gottes geworden in der Welt. „Wunderbar ist deine Erkenntnis geworden“, spricht die Kirche zu ihrem auferstandenen Herrn und zugleich zu jedem ihrer Kinder, das in Christus auferstanden ist zu neuem, gottschauendem Leben.
Wenn der Tag aufgeht, ist er Gericht für die Nacht. Die Finsternis flieht vor dem Licht. So ist auch Christus, der Tag, Gericht für die Welt, die die Finsternis mehr geliebt hat als das Licht (Joh 3,19). Gerichtet ist die Welt, gerichtet ist der Teufel. Aus dem Dunkel kam die alte Schlange und wollte Krieg führen gegen den Herrn des neuen Lichtes. Heute ist sie gerichtet. Der "Nachkomme der Frau" hat der Schlange den Kopf zertreten; besiegt taumelt sie zurück in ihre Finsternis. „Die Erde bebte und ward stumm, da Gott zum Gerichte aufstand“ (Offertorium, Ps. 75,9-10).
„Vom Tode zum Leben und von der Erde zum Himmel hat uns Christus, unser Gott, hinübergeleitet, und wir singen das Lied seines Sieges“ (aus der griechischen Liturgie).
„Das Lamm erlöste die Schafe; mit dem Vater versöhnte, Christus, der Reine, alle die Sünder“ (Ostersequenz).


P. Klaus Gorges FSSP, Ostern 2008